Schiffleute vom oberen Donautal
S c h i f f l e u t e   v o m   o b e r e n   D o n a u t a l
Titel  

Nachruf für Siegfried Selle (19. Jänner 1942 – 21. Juli 2007)
Obmann (Schiffmeister) des Vereines „Schiffleute vom oberen Donautal“

Schiffmeister Selle Siegfried

Uns alle hat die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Ableben unseres Freundes und Vereinsobmannes Siegi tief getroffen.

„Fahre, wer fahren will, ich liege vor Anker und ruhe still“.

Dieses Zitat eines unbekannten Autors passt meiner Meinung nach gut zum Wesen von Siegi. Ich kann mir vorstellen, dass er das Sterben, den Tod so beschrieben hätte.
Bezeichnend für die Verbundenheit von Siegi mit dem Schifferwesen ist für mich die Art seines Todes. Er ist nach einer Fahrt mit einer Waidzille plötzlich verstorben. Um es in der Sprache der Schiffleute zu sagen, er ist am Samstag, den 21. Juli 2007 für immer „länd gfahrn“.

Das Interesse für das Schifferwesen wurde ihm schon in die Wiege gelegt. Sein Vater war bereits als Flößer auf der Donau unterwegs, wo er bei den Naufahrten nach Budapest als Koch für die Verpflegung der Schiffleute verantwortlich war. Daher wohl auch die Begabung von Siegi zum Kochen. Sein ungarisches Kesselgulasch war berühmt.

Seine Leidenschaft für alles, was mit der Schifferei zu tun hatte war auch die treibende Kraft für die Gründung unseres Vereines, die „Schiffleute vom oberen Donautal“ mit dem Ziel, auf diese Weise das Andenken an den Berufsstand der Schiffleute aus unserer Region zu erhalten und zu pflegen.

Dem unermüdlichen Wirken von Siegi verdanken wir die Gründung unseres Vereines am 25. September 1992, dessen Obmann er bis zuletzt, also fast 15 Jahre, war.
Er besorgte den entsprechenden Stoff für unsere Tracht, kümmerte sich um einen Schneider, einen Hutmacher. Er erkundete Geschäfte, wo wir unsere typischen Leinenhemden, Halstücher, Schuhe und Gürtel bekamen. Dank Siegi hatten wir so innerhalb kurzer Zeit unsere Tracht beisammen. Dies ermöglichte wenige Monate nach der Vereinsgründung den ersten großen öffentlichen Auftritt unserer Gruppe im Rahmen des Oberösterreicherballes in Wien im Jänner 1993.
Seinem Engagement verdankt unserer Verein einen weiteren Höhepunkt: nämlich die Teilnahme beim Schiffskorso anläßlich der Eröffnung der Landesausstellung in Engelhartszell im April 1994.

Durch sein Wirken wurden „Die Schiffleute vom oberen Donautal“ über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Als geselliger und kontaktfreudiger Mann knüpfte er Verbindungen mit Schiffervereinen innerhalb Oberösterreichs, aber auch in Deutschland. Genannt sei hier beispielhaft die Freundschaft zu den Schiffleuten in Aschach, Stadl Paura und St. Nikola sowie zu den Freunden von der Ulmer Schachtl.
Ihm sind die Kontakte zu verdanken, die dazu führten, dass unser Verein in einer Fernsehsendung des ORF über das obere Donautal und in einem 12-teiligen Film über die Donau, der 2006 und 2007 auf verschiedenen Fernsehsendern international ausgestrahlt wurde, mitwirken konnte.

Aber auch eine Beteiligung der Schiffleute am regionalen und überregionalen Vereins- und Kulturleben war Siegi sehr wichtig. Als Beispiele seien hier die regelmäßige Teilnahme des Schiffervereines an der Fronleichnamsprozession in Wesenufer und am Schifferjahrtag in Stadl Paura und St. Nikola genannt. Die alljährlich stattfindende Schiffer-wallfahrt mit Zillen nach Inzell war seine Idee.

Alle auf seine Initiative zurückgehenden Vereinsaktivitäten und die Verdienste um unseren Verein hier aufzuzählen, würden den zeitlichen Rahmen dieses Nachrufes sprengen. Ich möchte dies daher mit einem etwas abgeänderten Zitat eines unbekannten Autors beschreiben:
„Was er war und was er alles getan hat, das wird uns jetzt beim Abschied klar.“

Dieser Spruch weist uns auch schmerzlich darauf hin, was wir mit unserem Vereinsobmann Siegi verlieren. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Wir Schiffleute verabschieden uns in tiefer Trauer mit einem alten Schiffergebet:

Schöffleut soll man net fretten, weil er wild fluchend schreit,
Schöffleut kann leis` auch beten, jed`s zu seiner Zeit.
Und wann „Gwand` dich, Bruder“, der Tod schreit, fahr ich länd,
Leg` in das Schiff das Ruder und falt meine Händ.
Sankt Nikolaus, mein Lieber, mein Schiffspatron hol aus,
St. Nikolaus, hol über, in Gottes Nam` nach Haus.

„Lieber Siegi, danke für Alles!
Lass na he, in Gott`s Nam!